Erziehungswissenschaft

Erziehung heißt:

Einem Menschen begegnen,
auf seine Persönlichkeitsentwicklung
verantwortungsvoll Einfluss nehmen wollen,
ihn dabei achten und respektieren,
ein Du erkennen
ein Wir erleben
sich bewusst werden als ein Ich,
Nachspüren und in Frage stellen lassen,
über das ‚Wozu?‘ auseinander setzen,
damit ein gleichwertiges ‚Wohin?‘ entstehen kann.

(H.Dorlöchter)

Das Fach Erziehungswissenschaft hat am Mariengymnasium eine über 60 Jahre lange Tradition. Entstanden aus der Mädchenbildung des ‚Lyzeums der Armen Schulschwestern von unserer lieben Frau‘ hat sich das Unterrichtsfach Erziehungswissenschaft über Jahrzehnte im Fächerkanon der Schule fest etabliert.

Das Fach Erziehungswissenschaft genießt in der Schülerschaft einen hohen Zuspruch; so werden in der Einführungsphase in der Regel zwei Grundkurse angeboten, in der Qualifikationsphase jeweils mindestens ein Grundkurs und ein Leistungskurs mit jeweils etwa 20 Schülerinnen und Schülern.

Es gibt momentan vier Kolleginnen und einen Kollegen, die das Fach vertreten, in der Regel werden sie durch eine Lehramtsanwärterin oder einen Lehramtsanwärter unterstützt.

Im erziehungswissenschaftlichen Unterricht…

…analysieren wir Fragen der Erziehungspraxis mit Hilfe von geeigneten wissenschaftlichen Theorien.

…arbeiten wir wissenschaftsorientiert und greifen auch auf Erkenntnisse von anderen Wissenschaften wie der Psychologie, der Biologie oder der Geschichte zurück.

…knüpfen wir an Interessen und Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler an.

…arbeiten wir gegenwarts- und zukunftsorientiert.

…bereiten wir auf verantwortliches pädagogisches Handeln vor.

…geben wir Gelegenheit, pädagogisches Handeln auch zu erproben.

…ermöglichen wir reale Begegnungen mit Erziehungsprozessen sowohl im Unterricht als auch an außerschulischen Lernorten.

Erziehung müssen alle lernen!

  • „Lernen, wie man Menschen informiert und anleitet“
    In Familien und in den meisten Berufen hat man Umgang mit anderen Menschen. Man muss daher wissen, wie man sie anleitet, wie man sie motiviert und informiert. Wie man ihnen vernünftig sagt, was gt und was schlecht ist, was sie gut, aber auch, was sie falsch gemacht haben.

    Im Pädagogikunterricht erfährt man alles über die Grundlagen des Umgangs mit Menschen – und wie man damit den Alltag in Beruf und Familie besser bewältigen kann.
  • „Lernen, wie man mit Kindern umgeht“
    Kinder sind unsere Zukunft. Nur muss man wissen, wie man mit Kindern angemessen umgeht. Denn Kinder sind anders. Sie denken und handeln anders.

    Im Pädagogikunterricht lerne man alles Wichtige, was man heute über Ki0dner weiß. Man versteht, Kinder zu verstehen. Und man lernt Kinder zu fördern. Nachmittags in der Jugendgruppe und später als Mutter oder Vater.
  • „Lernen, wie man richtig lernt“
    Lernen muss jeder. Aber nicht jeder weiß, wie man richtig lernt. Welche Lerntechniken es gibt. Was überhaupt „Lernen“ ist. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die eine Menge vom Lernen verstehen.

    Im Pädagogikunterricht erfährt man alles über die Grundlagen des Lernens – und damit viel über sich selbst. Man lernt, wie man sein eigenen Lernen verstehen und verbessern kann.
  • „Lernen, wie man Gruppen zusammensetzt und leitet.“
    Wir leben nie allein. Menschen leben miteinander. Teamarbeit hat deshalb einen hohen Stellenwert. In der Familie, im Beruf, in Vereinen und Verbänden, in Freundeskreisen. Gemeinsam geht es meisten besser.

    Im Pädagogikunterricht lernt man, wie man in Gruppen kooperieren kann. Wie man Teams bildet oder Teams leitet. Wie man die Arbeit im Team gestaltet und verbessert.
  • „Verantwortung lernen“
    Wir alle müssen im Leben Verantwortung übernehmen: Verantwortung für andere Menschen, für die Arbeit, die man ausführt und für sich selbst.

    Pädagogikunterricht zeigt auf, wie Menschen lernen können, Verantwortung zu übernehmen. Er kann veranschaulichen, wie Menschen soziale und moralische Verantwortung altersgemäß und in Entwicklungsstufen mehr und mehr übernehmen können. Pädagogikunterricht macht verantwortungsfähig.
  • „Woher – wohin? Auf der Spur des eigenen Bildungsweges“
    Menschen fragen sich oft, wer sie sind und weer sie sein wollen. Und sie suchen nach Wegen und Möglichkeiten, die werden zu können, die sie werden wollen.

    Pädagogikunterricht hilft zu verstehen, warum man der geworden ist, der man ist. Pädagogikunterricht eröffnet aber auch Perspektiven, wie man sich ändern und neue und andere Lebenswege beschreiten kann. Pädagogikunterricht hilft den eigenen Lebensweg zu gehen.
  • „Bildung in der Mediengesellschaft“
    Von der Morgenzeitung und dem Frühstückfernsehen bis zur Late-Night-Show, von den Nachrichten bis zur politischen Diskussion, vom Buch bis zum Internet und in den sozialen Netzwerken werden uns Nachrichten, Informationen und Meinungen präsentiert. Alles ist möglich – und deshalb muss man lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

    Im Pädagogikunterricht lernt man die Wirkungen und Auswirkungen von Medien für unser Denken und Fühlen zu durchschauen. So lernt man auch mit Bildungsmedien umzugehen, sie richtig für eigene Lernprozesse zu gebrauchen.

Quelle: VdP, www.vdp.org (in Auszügen)

Inhaltliche Schwerpunkte des Unterrichts – die sogenannten Inhaltsfelder - sind in den verschiedenen Jahrgangsstufen:

  • EF (Jg. 10 – Einführungsphase)
    Inhaltsfeld 1: Bildungs- und Erziehungsprozesse

    In diesem Inhaltsfeld geht es um das Ziel, den wissenschafts- und handlungspropädeutischen Anspruch des Faches anhand des pädagogischen Verhältnisses aus verschiedenen Perspektiven erfahrbar zu machen und damit eine Erschließung der komplexen Erziehungswirklichkeit zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang müssen unterschiedliche Zugänge zu Erziehung und Bildung Gegenstand des Unterrichts werden.

    Inhaltsfeld 2: Lernen und Erziehung
    Die Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld ermöglicht ein Verständnis der Lernbedürftigkeit und -fähigkeit des Menschen als Voraussetzung aller pädagogischen Bemühungen. Die pädagogische Betrachtung von Lernprozessen bezieht lerntheoretische Erkenntnisse der Nachbarwissenschaften als Grundlage ein. Dabei werden Perspektiven unterschiedlicher Wissenschaften reflektiert. Die Wechselwirkung von Erziehung und Lernen sowie die Bedeutsamkeit von Selbststeuerung und Selbstverantwortlichkeit auch bei eigenen Lernprozessen der Schülerinnen und Schüler werden herausgearbeitet. Dabei wird deutlich, dass die Biografie des lernenden Subjekts und der Lernprozess in einem interdependenten Verhältnis zueinander stehen.
  • Q1 und Q2 (Jg. 11 und 12 – Qualifikationsphase)
    Inhaltsfeld 3: Entwicklung, Sozialisation und Erziehung

    In diesem Inhaltsfeld geht es um die Interdependenz von Entwicklung, Sozialisation und Erziehung. Ergebnisse von Nachbarwissenschaften sind unter dem Gesichtspunkt der pädagogischen Relevanz einzubeziehen. Auch unterschiedliche Verläufe von Entwicklung und Sozialisation sind im Kontext dieses Inhaltsfeldes zu besprechen. Daraus folgende Praxisbezüge sind zu erschließen. Mit Kindheit und Jugend werden zwei Lebensabschnitte angesprochen, die die Schülerinnen und Schüler durchlebt haben bzw. durchleben; darüber hinaus ist u.a. aufgrund des demographischen Wandels und der Notwendigkeit lebenslangen Lernens die Bedeutung pädagogischen Denkens und Handelns im Erwachsenenalter hervorzuheben.

    Inhaltsfeld 4: Identität

    Es geht in diesem Inhaltsfeld um die Entstehung und pädagogische Förderung von Identität. Dabei wird die Identitätsentwicklung im Spannungsfeld von eigenen Interessen und Bedürfnissen sowie gesellschaftlichen Einflussgrößen betrachtet. Dies erfordert, pädagogisch relevante Erkenntnisse zur Entwicklungspsychologie und zu Sozialisationstheorien zu berücksichtigen. Möglichkeiten und Grenzen der persönlichen Lebensgestaltung werden aufgezeigt. In diesem Kontext werden zentrale Ansprüche an Erziehung und Bildung wie Mündigkeit, Emanzipation und generationenübergreifende soziale Verantwortung pädagogisch interpretiert und die Auswirkungen von verschiedenen, durch wissenschaftliche Ansätze geprägten Menschenbildern auf pädagogisches Denken und Handeln aufgezeigt.

    Inhaltsfeld 5: Werte, Normen und Ziele in Erziehung und Bildung

    Die Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld ermöglicht Einsicht in die normative Bedingtheit jedes Erziehungs- und Bildungsprozesses. Vor diesem Hintergrund ist bedeutsam, dass Werte, Normen und Zielsetzungen, die jedem Erziehungs- und Bildungsprozess zu Grunde liegen, in ihrer Entstehung und Konkretisierung kulturellen und geschichtlichen Bedingungen und Veränderungen unterliegen. So werden Gesellschaften zunehmend von divergierenden kulturellen Grundlagen beeinflusst. Die Folgen dieser Entwicklung und daraus resultierende Herausforderungen für erzieherisches Handeln sind anzusprechen. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler Einsicht in die Relativität von oft als selbstverständlich angenommenen Normen und Zielen sowie ein Verständnis für die Lage von Minderheiten erwerben.

    Inhaltsfeld 6: Pädagogische Professionalisierung in verschiedenen Institutionen

    Professionelles pädagogisches Handeln findet in einem organisatorischen Rahmen statt, der u.a. durch sozialen und kulturellen Wandel bedingt ist. Die Auseinandersetzung mit diesem Inhaltsfeld ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, exemplarische Einblicke in die Vielfalt und – soweit absehbar – auch in die zukünftige Wandelbarkeit der pädagogischen Berufsfelder zu erhalten. Dabei stehen die faktischen Bedingungen im Mittelpunkt, unter denen pädagogisches Handeln stattfand und stattfindet.

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